Tornax wurde durch Ernst Wewer (er war gelernter Uhrmacher) gegründet. Er selbst war Sportfahrer,
der mit starken englischen Motorrädern schon ab 1923 große Erfolge errang.
Leider versagten auf den sehr schlechten deutschen Strassen die zu schwachen englischen
Fahrgestelle. Sie waren den hohen Leistungen der Motore nicht gewachsen und brachten
Ernst Wewer damit um so manchen sicher geglaubten Sieg.
Dieses damals sehr verbreitete Übel wollte er unbedingt abstellen.
In Zusammenarbeit mit seinem Kompagnon Schmidtmann gelang es ihnen den Konstrukteur Otto Karpe zu
gewinnen der vorher bei Ewabra in Ennepetal-Milspe tätig war, dort entstanden Motorräder mit
eigenen ohv und sv-Motoren.
Gegründet wurde das Unternehmen Weihnachten 1925 von Ernst Wewer und Herrn Schmidtmann in
Barmen-Langerfeld, die Geschäftstätigkeit wurde am 2. Januar 1926 aufgenommen.
Entsprechend des Firmengrundsatzes wurde auch der Name der Marke ausgewählt:
Tornax
Er ist abgeleitet von Tornado, den gefürchteten Wirbelsturm, und dem Wort Rex für den Löwen.
Im Wappen der damals noch eigenständigen Städte Barmen und Elberfeld befand sich der bergische Löwe.
Der vollständige Firmenname lautete:
Tornax Motorfahrzeugfabrik Wewer & Schmidtmann, Barmen-Langerfeld
Die Produktion von Tornax-Motorrädern begann 1926 in der Lippestr.16-18 in Barmen-Langerfeld
(heute Wuppertal-Langerfeld). Das Gebäude steht noch heute auf einem Hinterhof.
Mit den ersten Tornax wurden bereits Rennen bestritten und es blieben schon 1926 die sportlichen
Erfolge nicht aus.
"Durch den Sieg in der sich über drei Tage erstreckenden harten Zuverlässigkeitsfahrt rund um
Rheinland und Westfalen wurde die Qualität und Zuverlässigkeit der Tornaxräder unter Beweis
gestellt. Es waren die ersten drei Räder, welche die Montierböcke im Werk überhaupt verließen."
Die Mannschaft wurde von Ernst Wewer geführt, der auch den ersten Preis in der Klasse bis 750 ccm
und die beste Wertung aller Fahrzeuge bekam. Viele Siege in Rennen und Zuverlässigkeitsfahrten
folgten.
Im Jahre 1926 wurden die Tornaxräder auf der Internationalen Automobil- und Motorradausstellung in
Berlin zum erstenmal der großen Öffentlichkeit vorgeführt. Der Erfolg waren weiter
steigende Absatzzahlen.
Tornax war einer von über 500 Herstellern, die es in den 20er Jahren im deutschen Reich gab.
Nach der Inflation wurden reichlich Motorräder hergestellt und auch verkauft,
viele Hinterhofschrauber versuchten ihr Glück, sämtliche benötigten Teile wurden bei den zahlreichen
Lieferanten einfach zugekauft.
Jedoch begann Wewer direkt mit großen und teuren Motorrädern. Er verwendete direkt von Anfang an
600ccm JAP-Motoren aus London, diese genossen einen hervorragenden Ruf und waren sehr
leistungsstark.
Viele Teile wurden wie seinerzeit üblich zugekauft: Die Gabel kam von den
Tiger-Werken in Köln, die Tanks von Spillner in Köln, die hervorragenden 200mm Bremsen wurden von
Pränafa in Solingen bezogen, die ersten Getriebe kamen von Burman, ab 1927 wurden die aber von der
Firma Hermes-Getriebebau in Wuppertal geliefert. Lacke kamen von der Lackfabrik Windhövel und Höfer,
ebenfalls aus Wuppertal.
Schon früh wurden die für die Werbung so nützlichen Rennveranstaltungen besucht.
Viele Siege wurden eingefahren, so z.B. das Eröffnungsrennen des Nürburgrings 1927 in der 750er
Solo-Klasse. Hier kam ein 750er JAP-V-Motor zum Einsatz.
Tornax genoss einen
hervorragenden Ruf.
Wewer verstand es sehr gut den Motorenhersteller JAP zu Sonderlieferungen zu bewegen.
Sämtliche 600er Motoren hatten mehr Leistung als die gleichen Produkte, mit der die
Konkurrenz beliefert wurde. Der 600ccm-ohv-Motor wurde sogar exclusiv nur an Tornax geliefert.
1929 zog Tornax dann um in die großen Werkshallen in die Schwelmer Str. 100-108 in
Wuppertal-Langerfeld. Vom Erfolgsmodell II-29 wurden 1929 über 4.000 Maschinen gebaut.
Die neue Firmenanschrift lautete nun:
Tornax-Werk Ernst Wewer, Wuppertal-Langerfeld, Schwelmer Str. 100/108
Es wurde nie billig, sondern gut (und somit auch teuer) gebaut.
1931 kam der 72 PS starke 1000er JAP-Motor zur Verwendung, Tornax garantierte 190 km/h.
Das war die schnellste Serienmaschine der Welt, bis zum Krieg!
Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurde der Import ausländischer Produkte
verboten, Tornax war nun auf inländische Produkte angewiesen.
Zum Einbau kamen ab 1934 nun Columbus-Motoren die ja bekanntlich von Horex hergestellt wurden.
Krönung der Columbus-Motorenpalette war 1935 der 800er Tornado-Motor, ein Paralleltwin mit 800ccm
und obenliegender, kettengetriebener Nockenwelle.
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1935 wagte sich Tornax dann auch an die Auto-Produktion. Das Fahrwerk wurde in Langerfeld gebaut,
als Motor kam ein getunter DKW-Motor zum Einsatz.
Die nackten Chassis wurden dann auf der Straße zum Karrosseriewerk Hebmüller gefahren und
eingekleidet. 158 Tornax-Rex entstanden so.
1936 kamen dann die ersten Zweitakter ins Programm (K 12, K 125, K 20, K 25), es wurden
ILO-Motoren verwendet.
1941, Tornax durfte wegen der Rüstungsproduktion keine Motorräder mehr bauen, entstanden noch
einmal sechzig 125er die überwiegend nach Österreich geliefert wurden.
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Im März 1945 wurden große Teile des Werkes durch Bombardierung zerstört, nicht zuletzt wegen der
seit 1942 laufenden Fertigung sogenannter "Abwurftrommeln" für den Rommel-Feldzug in Afrika.
Die Arbeiter und Angestellten bauten es selbst wieder auf und konnten so kurz nach dem Krieg
wieder mit der Produktion beginnen.
Im Jahr 1945 wurde die Produktion mit 60 aus dem Krieg zurückgekehrten ehemaligen Mitarbeitern
wieder aufgenommen, allerdings stellte man zunächst einfache blecherne Handkarren zum Wiederaufbau
sowie Waffeleisen her.
Später im Jahr 1945 erteilte die englische Rheinarmee unter Alan Bruce dann die Genehmigung zur
Reparatur armeeeigener Kräder, die dann auch auf eigene Tornax-Kräder ausgedehnt wurde.
Hinzu kam die Produktion eines einfachen Kastenseitenwagens für Motorräder, um die Handwerker des
Wiederaufbaus mobil zu halten.
1948, nachdem die ILO-Werke in Pinneberg wieder Einbaumotoren lieferten startete dann erneut die
eigentliche Motorradproduktion mit dem Vorkriegsmodell K 125. Tornax war damit einer der ersten
Hersteller nach dem Krieg die wieder Motorräder bauen durften.
1950 kam dann die T 175 mit dem ILO-Dreigang-Motor. Das Design war bestechend, sie wurde mehrmals
als schönste Konstruktion ausgezeichnet. Sie verkaufte sich blendend.
Um Rennerfolge wieder verkaufsfördernd zu nutzen ließ Wewer beim berühmten Motoren-Konstrukteur
Richard Küchen einen modernen 125er Königswellen-Rennmotor entwickeln.
Dieser kam jedoch nicht richtig ans Laufen, hatte viele Probleme, das Projekt wurde nach nur einem
gebauten Exemplar wieder eingestellt. Diese Rennmaschine existiert noch heute.
1952 bekam der 175er ILO dann 4 Gänge, die Bezeichnung änderte sich in V 175.
Parallel dazu wurde die V 200 ins Programm aufgenommen.
Konstrukteur Otto Karpe war für einige Zeit bei ILO in Pinneberg
mit der Entwicklung eines leistungsgesteigerten Zylinders für den bei ILO bereits vorhandenen
200er Motor beschäftigt.
Sie hatte 11 PS, Tornax genoß mal wieder einen Sonderstatus, denn dieser
11 PS-Motorr durfte nur von Tornax verwendet werden. Die Fahrleistungen dieser leichten Maschine
übertrafen die der meisten 250er Konkurrenzprodukte.
Die V 200 ist zu erkennen am eckigen
Zylinder, die anderen Hersteller bekamen nur den runden Zylinder mit weniger Leistung.
Dies hatte sich Tornax vertraglich zusichern lassen.
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Ab 1953 produzierte Tornax auch 250er Motorräder mit dem Ein- und Zweizylinder ILO-Motor.
Diese Modelle waren die E 250 (mit dem 250er ILO-Einzylinder) und die baugleiche Z 250
(mit dem Zweizylinder).
Es gab auch einige Prototypen mit dem Opti-Motor, ein 250er Zweizylinder-Viertakter aus Essen.
Jedoch war dieser Motor nicht standfest, so entstanden bei allen deutschen Herstellern lediglich
Prototypen. Die Prospekte der beiden 4-Takt-Modelle waren aber schon tausendfach gedruckt.
Ab 1953 entstand das Moped F P 50/II "Tornax Toxy", mit einem 1,5 PS starken 49ccm ILO-Motor,
es spielte jedoch nur eine Nebenrolle im boomenden Mopedmarkt.
Anfang 1954 kam dann die berühmteste Tornax, die "Schwarze Josephine" mit dem 250er ILO-Twin und
Vollschwingenfahrwerk auf den Markt.
Den Spitznamen erhielt dieses Modell durch vielen vorhandenen
Rundungen und Kurven, es wurde mit der berühmten farbigen Tänzerin aus den 30ern, Josephine Baker,
verglichen.
Die offizielle Bezeichnung lautete Tornax S 250.
Auch diese Maschine verkaufte sich hervorragend.
Gegen Ende 1954 brach jedoch der deutsche Motorradmarkt komplett ein. Viele Hersteller versuchten
durchzuhalten, gingen jedoch in den nächsten 2-3 Jahren Konkurs.
Ernst Wewer erkannte den Niedergang der deutschen Motorradindustrie und stoppte den Fahrzeugbau
Ende 1954.
Insgesamt haben ca. 50.000 Motorräder die Wuppertaler Werke verlassen.
Als BMW-Niederlassung ging es dann weiter.
Vorbildlich ist die Tatsache dass Ernst Wewer noch bis in die 60er Jahre sämtliche Ersatzteile
für Tornax-Motorräder neu herstellte, sogar Rahmen.
Die in den 80er Jahren in Italien hergestellten Mofas und Leichtkrafträder mit dem Tornax-Logo
auf dem Tank haben mit der echten Tornax nichts gemeinsam. Der Vertreiber hatte die Namensrechte
erworben und das Wappen auf ein Fremdfabrikat geklebt.